Donnerstag 1. Februar 2018

01.02.2018 - 18:00

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DEPORTATION CLASS

Deutschland 2017 | Carsten Rau, Hauke Wendler | 84 Min | Deutsch

Sie kommen in der Nacht, reißen Familien aus dem Schlaf und setzen sie in ein Flugzeug: »Zuführkommandos« von Polizei und Ausländerbehörden haben im vergangenen Jahr 25.000 Asylbewerber*innen aus Deutschland abgeschoben. DEPORTATION CLASS begleitet solche »Rückführungsaktionen« im Rahmen der immer häufiger durchgeführten Sammelabschiebungen. Von der Planung in deutschen Amtsstuben über die meist nächtlichen Abholungen bis hin zur Ankunft der Betroffenen in ihrem Herkunftsland werden die verschiedenen Stufen einer Abschiebung dokumentiert. Der Film zeichnet aber nicht nur ein präzises, nüchternes Bild dieser Abschiebungen. Er gibt auch denjenigen ein Gesicht, eine Stimme und damit ihre Würde zurück, die in den Fernsehnachrichten nicht zu Wort kommen: Menschen wie Gezim, der in Deutschland auf eine bessere Zukunft für seine Kinder hoffte und ohnmächtig zusehen muss, wie sein Traum zerplatzt. Oder die Familie von Elidor und Angjela, die nach der Abschiebung in Albanien ins Bodenlose stürzt.

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Alexandra Böckel (Asylverfahrensberatung in der Erstaufnahme, Evangel. Dekanat Gießen)
01.02.2018 - 18:00

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AUDIENCE EMANCIPATED: THE STRUGGLE FOR THE EMEK MOVIE THEATER

Türkei 2016 | Fırat Yücel / Emek Bizim Istanbul Bizim Initiative | 47 Min | OmengU

Im Mittelpunkt dieser Chronik steht der Kampf um die Rettung des 100 Jahre alten Emek-Kinos, eines der wichtigsten kulturellen Wahrzeichen Istanbuls, das im Zuge der staatlichen Städtebaupolitik Erdoğans einem neuen Einkaufszentrum zum Opfer fallen soll. Die beteiligten Aktivist*innen dokumentieren ihren Widerstand, als das Gebäude trotz gewaltiger öffentlicher Proteste 2010 zum Abriss freigegeben wird. Regisseur Fırat Yücel hat dieses Bildmaterial gekonnt aufgearbeitet, um eindrucksvoll spürbar zu machen, was der Ausgangspunkt für den »Ungehorsam« der Bevölkerung war: Das Recht der Bewohner*innen auf Selbstbestimmung, gesellschaftliche Teilhabe und auf ihre Stadt als lebendigen, kulturellen Ort. Der Kampf um den Erhalt des Emek-Kinos wird zu einem Schlüsselereignis für weitere politische Entwicklungen in der Türkei. Als nächstes drückt sich der Widerstand gegen Erdoğans Aushöhlung gewachsener urbaner Strukturen in den massiven Protesten im Gezi-Park und auf dem Taksim-Platz aus.

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Firat Yücel (Co-Editor)
01.02.2018 - 19:30

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DEAD DONKEYS FEAR NO HYENAS – GRÜNES GOLD

Deutschland 2017 | Joakim Demmer | 80 Min | OmdtU

Ein dokumentarischer Thriller über die rücksichtslosen Methoden des Landraubs. Ackerland gilt global als das neue »Grüne Gold«. Und einer der profitabelsten Hotspots in diesem Business ist Äthiopien. Der Film begleitet einen äthiopischen Umweltjournalisten und zeigt Landgrabbing als eine moderne Form der Kolonisierung, bei der sich ausländische Investoren ohne jeden Nutzen für die lokale Bevölkerung große Ackerflächen aneignen. Auf Exporterlöse hoffend überlässt die äthiopische Regierung Millionen Hektar von angeblich ungenutztem Land den Investoren. Versprochen werden dabei Wohlstand und Entwicklung. In der Realität aber bleiben Bäuer*innen zurück, die von dem Land, auf dem sie seit Generationen lebten, mit Gewalt vertrieben wurden. Sie kämpfen verzweifelt um den Erhalt ihres Landes, ihrer Kultur, ihres Lebens. EU, Weltbank und internationale Entwicklungsagenturen tragen zu diesem Desaster mit milliardenschwerer Unterstützung bei.

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Joakim Demmer (Regie)
01.02.2018 - 20:30

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TRUE WARRIORS

Afghanistan, Deutschland 2017 I Ronja von Wurmb-Seibel, Niklas Schenck I 90 Min I OmdtU

Kabul, 11. Dezember 2014: Bei der Premiere eines Theaterstücks über Selbstmordanschläge sprengt sich ein 17 Jahre alter Junge in die Luft. Manche Zuschauer*innen klatschen – sie halten die Explosion für eine besonders realistische Inszenierung. Erst als Panik ausbricht, verstehen sie, was passiert ist. Der Dokumentarfilm TRUE WARRIORS erzählt die Geschichte der Schauspieler*innen und Musiker*innen, die an diesem Tag auf der Bühne standen. Sie wollten mit ihrem Stück über Selbstmordanschläge ein Zeichen setzen gegen den Terror, der ihre Gesellschaft zerfrisst. Nun sind sie selbst vor Angst gelähmt. Sollen sie jemals wieder Theater spielen? Nicht vorstellbar. Als Musiker berühmt werden? Viel zu gefährlich. Erst als der Schock der Gewalt sie ein zweites Mal trifft, entscheiden die Künstler*innen, sich mit aller Kraft ihrer Ohnmacht entgegenzustellen. Sie radikalisieren sich künstlerisch und beginnen so, ihr Trauma zu besiegen. TRUE WARRIORS zeigt uns, dass wir dem Terror mehr entgegensetzen müssen als Hass und Angst.

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Niklas Schenk und Ronja von Wurmb-Seibel (Regie)
01.02.2018 - 20:30

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YULAS WELT – SOMETHING BETTER TO COME

Dänemark, Polen, 2014 | Hanna Polak | 98 Min. | OmdtU

Yula wünscht sich nichts mehr, als ein Leben zu leben wie alle anderen. Ihre Realität ist allerdings trist. Sie lebt mit ihrer Mutter in der eigentlich verbotenen Zone von Svalka, der größten Müllhalde Europas, nur 20 km vom Kreml entfernt. Dort versucht sie, inmitten von Dreck und Müll zu überleben, aber gleichzeitig auch ein ganz normaler Teenager zu sein. Zwischen Abfall und gepanschtem Alkohol erlebt sie die erste Liebe mit all ihren Folgen. Gleichzeitig kümmert sie sich um ihre Mutter und verliert dabei nie das Ziel aus den Augen, Svalka irgendwann verlassen zu können. Während all dem fasziniert Yula durch ihre Unbeschwertheit und ihren Lebensmut, die sie trotz allem nie verliert. Hanna Polak hat Yula 14 Jahre lang mit der Kamera begleitet. Sie erzählt ihre unvorstellbare Geschichte mit packender Unmittelbarkeit und voller Feingefühl. Dabei ist ein universeller Film über das Erwachsenwerden entstanden, der von Hoffnung, Mut und Lebensfreude inmitten schwierigster Umstände erzählt.

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Kai Ehlers (Journalist, Hamburg)