Mittwoch 31. Januar 2018

31.01.2018 - 18:00

Spielort: 

A MEMORY IN THREE ACTS

Mosambik 2016 | Indadelso Cossa | 64 Min | OmengU

Mosambik erlangte 1975 nach langem bewaffneten Kampf die Unabhängigkeit von Portugal. Noch zu Kolonialzeiten, in den 1960er Jahren, richtete eine Brigade der portugiesischen Geheimpolizei PIDE, genannt KULA, in der Hauptstadt Maputo ein Folterzentrum in der Vila Algarve ein. Dort wurden unzählige Freiheitskämpfer*innen verhört, gefoltert und ermordet. Für den Film A MEMORY IN THREE ACTS kehren einige der damaligen politischen Gefangenen nach 40 Jahren an den Ort ihrer Folter zurück. Ihre Bereitschaft, über ihre damaligen Erlebnisse vor der Kamera zu reden, wirkt wie eine Therapie gegen ihre Traumata. Der Film führt in bedrückenden Bildern durch die Ruinen des Folterzentrums, gefolgt von den Erzählstimmen der Widerstandskämpfer und begleitet von eindrucksvoller Musik. Die Mischung aus Archivmaterial, aktuellen Aufnahmen und Erzählungen der Zeitzeug*innen belegt facettenreich ein koloniales Trauma, dessen Wunden noch immer nicht geheilt sind.

Schlagworte: 

Termine: 

Regie: 

Gast: 

Paulino Miguel (Forum der Kulturen Stuttgart e. V.)
31.01.2018 - 18:00

Spielort: 

SANDS OF SILENCE

USA 2016 | Chelo Alvarez-Stehle | 86 Min | OmengU

Ihre journalistische Arbeit über sexuelle Gewalt gegen Frauen bringt die Filmemacherin Chelo Alvarez-Stehle in Kontakt mit der Mexikanerin Virginia Isaias und Anu Tamang aus Nepal. Virginia Isaias wurde mit ihrem Baby im Arm auf offener Straße entführt, eingesperrt und versklavt. Mit Glück gelang ihr nach Monaten die Flucht in die USA. Dort entschied sie sich nach vielen Jahren, für die betroffenen Frauen ihrer Latino-Community zu kämpfen. Anu Tamang wurde mit 16 Jahren als Sexsklavin nach Indien verkauft. Zwei Jahre darauf befreite die indische Regierung sie und 200 weitere junge Nepalesinnen. Zurück in ihrer Heimat gründete sie später die erste Selbsthilfe-Organisation dieser Art in Nepal. Beide Frauen sind mittlerweile mehrfach international für ihre Arbeit ausgezeichnet worden. Chelo Alvarez-Stehle bindet auch die Geschichte ihrer eigenen Familie in den Film ein. In diesem Auseinandersetzungsprozess stößt sie zunächst auf Schweigen und Tabus, die jedoch nach und nach aufgebrochen werden. SANDS OF SILENCE arbeitet mit verschiedensten Stilmitteln, währenddessen sich die drei Erzählstränge immer mehr verbinden, sodass letztlich ein facettenreiches, berührendes filmisches Dokument entsteht.

Schlagworte: 

Termine: 

Regie: 

31.01.2018 - 19:00

Spielort: 

DIE STADT ALS BEUTE

Deutschland 2016 | Andreas Wilcke | 82 Min | Deutsch | OmengU

Von London bis New York gilt Berlin plötzlich als »the place to be«. Das weckt Begehrlichkeiten. Jeder will hier wohnen und viele wollen sich hier eine Wohnung kaufen, die – verglichen mit »zu Hause« – spottbillig ist. Ehemaliger staatlicher Wohnungsbestand wird privatisiert und Mietwohnungen werden zu Eigentum. Welten prallen aufeinander und Paralleluniversen tun sich auf. Der Film dokumentiert über vier Jahre mit beeindruckenden Bildern die rasanten Veränderungen durch diesen Immobilienboom. Er befragt die verschiedenen Akteure, begleitet Makler, Investoren und Kaufinteressenten bei der Schnäppchenjagd und Mieter*innen beim Gang durch die Institutionen. Der Zuschauer ist quasi live dabei, wenn im Zeitraffertempo eine ganze Stadt umgekrempelt wird.

Schlagworte: 

Termine: 

Regie: 

31.01.2018 - 19:00

Spielort: 

MACHINES

Indien, Deutschland, Finnland 2016 | Rahul Jain | 71 Min | OmdtU

Durch die Korridore der enormen und verwirrenden Strukturen einer Textilfabrik nimmt die Kamera die Betrachter*in mit auf eine Reise zu einem Ort der Entmenschlichung durch körperliche Arbeit und intensive Härte. Die Maschinen laufen an 7 Tagen in der Woche 24 Stunden. Die Schichten der Arbeiter*innen dauern 12 Stunden. Diese gigantische Fabrik im indischen Bundesstaat Gujarat, in deren Inneres kaum Tageslicht dringt, könnte genauso gut der Schauplatz für Dantes Inferno im 21. Jahrhundert sein. In seiner nachdenklich stimmenden und intimen Darstellung zeigt Regisseur Rahul Jain das Leben der Arbeiter*innen und das Leiden in einer Umgebung, der sie kaum entkommen können. Mit starker, visueller Sprache, unvergesslichen Bildern und sorgfältig ausgewählten Interviews der Arbeiter*innen erzählt Jain eine Geschichte von Ungleichheit, Unterdrückung und der großen Kluft zwischen den Perspektiven der Reichen und der Armen.

Schlagworte: 

Termine: 

Regie: 

Gast: 

Weltladen Wetzlar
31.01.2018 - 20:30

Spielort: 

- In Kooperation mit der Filmreihe »Konflikt und Film« -

SONITA

Deutschland, Iran, Schweiz 2015 | Rokhsareh Ghaem Maghami | 91 Min | OmdtU

Wenn die 18-jährige Sonita es sich aussuchen dürfte, dann wäre Michael Jackson ihr Vater und Rihanna ihre Mutter. Sonita stammt aus Afghanistan und lebt ohne ihre Familie in Teheran. Ihr sehnlichster Wunsch: eine berühmte Rapperin zu sein. Eine soziale Einrichtung unterstützt sie bei der Überwindung der Flucht-Traumata und bei der Planung ihrer Zukunft. Ihre Familie hat ganz andere Pläne: Für 9.000 $ soll sie an einen fremden Ehemann nach Afghanistan verkauft werden – die Zeit drängt. Die Familie braucht Geld für die Hochzeit ihres Sohnes. Sonita braucht Zeit, um ihren Traum Wirklichkeit werden zu lassen. Mit einer Geldzahlung gelingt es ihr vorerst, die drohende Rückkehr nach Afghanistan zu verhindern. Diese Zeit nutzt sie, um in Teheran ein Musikvideo aufzunehmen und dieses auf YouTube zu stellen. Der Clip ist ein furioser Aufruf gegen die Zwangsheirat und erhält weltweite Aufmerksamkeit, die das Leben von Sonita entscheidend verändern wird.

Schlagworte: 

Termine: 

Regie: 

31.01.2018 - 20:30

Spielort: 

TRUE WARRIORS

Afghanistan, Deutschland 2017 I Ronja von Wurmb-Seibel, Niklas Schenck I 90 Min I OmdtU

Kabul, 11. Dezember 2014: Bei der Premiere eines Theaterstücks über Selbstmordanschläge sprengt sich ein 17 Jahre alter Junge in die Luft. Manche Zuschauer*innen klatschen – sie halten die Explosion für eine besonders realistische Inszenierung. Erst als Panik ausbricht, verstehen sie, was passiert ist. Der Dokumentarfilm TRUE WARRIORS erzählt die Geschichte der Schauspieler*innen und Musiker*innen, die an diesem Tag auf der Bühne standen. Sie wollten mit ihrem Stück über Selbstmordanschläge ein Zeichen setzen gegen den Terror, der ihre Gesellschaft zerfrisst. Nun sind sie selbst vor Angst gelähmt. Sollen sie jemals wieder Theater spielen? Nicht vorstellbar. Als Musiker berühmt werden? Viel zu gefährlich. Erst als der Schock der Gewalt sie ein zweites Mal trifft, entscheiden die Künstler*innen, sich mit aller Kraft ihrer Ohnmacht entgegenzustellen. Sie radikalisieren sich künstlerisch und beginnen so, ihr Trauma zu besiegen. TRUE WARRIORS zeigt uns, dass wir dem Terror mehr entgegensetzen müssen als Hass und Angst.

Schlagworte: 

Termine: 

Regie: 

Gast: 

Niklas Schenk und Ronja von Wurmb-Seibel (Regie)